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Wie wird die Versorgungssicherheit gewährleistet?

Versorgungssicherheit bezeichnet die zuverlässige Bereitstellung lebenswichtiger Güter und Dienstleistungen. Dies kann auf viele Bereiche im Alltag bezogen werden und eine enorm wichtige Funktion übernehmen. In diesem Beitrag jedoch betrachten wir genauer, was Versorgungssicherheit konkret für die Strom- und Gasversorgung heißt und wie diese in Deutschland gewährleistet wird.

Allgemeine Versorgungssicherheit

Die Versorgungssicherheit bezieht sich auf die Sicherung der menschlichen Grundbedürfnisse. Dazu zählen die Absicherung von Nahrung, Wasser, Telekommunikation, oder eben auch die zuverlässige und kontinuierliche Bereitstellung von Strom und Gas.

Kriterien Versorgungssicherheit Strom und Gas

Um Versorgungssicherheit in diesem Bereich zu garantieren, spielen laut Bundesnetzagentur mehrere Aspekte eine Rolle:

  1. Strom- und Gasnetze müssen leistungsfähig sein und funktionieren, sodass Strom und Gas problemlos transportiert werden können. Dies muss auch bei Extrembedingungen gewährleistet sein, wie beispielsweise bei extremen Wetterereignissen.
  2. Es müssen ausreichende Erzeugungskapazitäten vorhanden sein, sodass jederzeit der gesamte Energiebedarf gedeckt werden kann und keine Engpässe entstehen.
  3. Funktionierende Regelungsmechanismen müssen an Einspeise- und Entnahmestellen dafür sorgen, dass Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht bleiben und die Netzstabilität nicht gefährdet wird.
  4. Strom- und Gasnetze müssen gegen äußere Eingriffe geschützt sein, beispielsweise vor Hackerangriffen oder Sabotageversuchen.

 

Aktuelle Relevanz Versorgungssicherheit

Das Thema der Versorgungssicherheit ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker in das Blickfeld der Gesellschaft gerückt. Krisen, wie der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine und die darauf folgenden Sanktionen auf russische Gasimporte, haben die Abhängigkeit der Energiemärkte von internationalen Lieferketten in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt. Somit wuchs besonders in Bezug auf den Energiemarkt und Elektrizität das Bewusstsein dafür, dass eine sichere Versorgung nicht allgegenwärtig eine Selbstverständlichkeit ist.

Während der Energiekrise wurde der Begriff der Versorgungssicherheit immer häufiger verwendet. Steigende Preise und politische Maßnahmen zeigten, dass die Unsicherheit der Märkte oder ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage spürbare Auswirkungen auf die Verbraucher:innen haben kann.

Das Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verfolgt das Ziel, eine möglichst sichere und leistungsfähige Energieversorgung zu gewährleisten. Das betrifft Aspekte wie die Stromerzeugung, die passende Energieinfrastruktur und die Verfügbarkeit von Energieträgern. Zusätzlich zielt das Gesetz darauf ab, die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, um somit langfristig Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu verbinden. 

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Sicherheit Energieversorgung in Europa

Indirekt bedeutet die Versorgungssicherheit der Stromerzeugung, dass jederzeit so viel Strom erzeugt wird, wie verbraucht wird. Um dies auch zu gewährleisten, wurde 2016 das Strommarktgesetz beschlossen. Dieses Gesetz beinhaltet, dass die Preisbildung des Stromes staatsunabhängig, also nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft, funktioniert. Dies bedeutet, dass Strompreise am Markt, basierend auf dem Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage, gebildet werden. Daraus resultiert, dass Knappheit oder Überfluss indirekt durch Preisveränderungen auf dem Markt sichtbar sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Stromanbieter über die vertraglich vereinbarte Strommenge verfügen müssen, um ihre Lieferverpflichtungen gegenüber den Kunden erfüllen zu können. 

Der grenzüberschreitende Stromhandel innerhalb Europas sorgt zusätzlich dafür, dass bei Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch diese über die Ländergrenzen hinweg ausgeglichen werden können. Die zentrale europäische Allianz von Übertragungsnetzbetreibern ENTSO-E, ausgeschrieben auf Englisch “European Network of Transmission System Operators for Electricity”, ist ein Zusammenschluss von rund 40 Übertragungsnetzbetreibern aus etwa 35 Ländern. Dieser Verband verfolgt drei zentrale Ziele: Netzintegration, Netzsicherheit und Innovation. 

Netzintegration

Ziel der Netzintegration ist es, einen europaweiten Strombinnenmarkt sowie ein paneuropäisches Stromnetz zu fördern. Dadurch soll Strom effizienter über Ländergrenzen hinweg gehandelt und transportiert werden.

Netzsicherheit

Unter Netzsicherheit versteht ENTSO-E die Gewährleistung einer stabilen und zuverlässigen Stromversorgung in ganz Europa. Dazu koordiniert der Verband die Zusammenarbeit der Netzbetreiber und stellt sicher, dass ausreichend Kapazitäts- und Sicherheitsreserven vorhanden sind, um das Netz auch in Ausnahmesituationen stabil zu halten.

Innovation

Ein weiteres Ziel ist die Förderung neuer Technologien und deren Integration in die bestehenden Stromnetze. Damit unterstützt ENTSO-E Lösungen für Herausforderungen wie den Klimawandel, den Ausbau erneuerbarer Energien und den Umgang mit Extremwetterereignissen.

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Versorgungssicherheit des Stromnetzes

Ein gutes Stromnetz ist die grundlegende Komponente der Versorgungssicherheit. Durch die Energiewende werden in diesem Bereich Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten geschaffen. Derzeit besitzt Deutschland ein sehr beständiges und zuverlässiges Stromnetz, jedoch gibt es im Zuge der Energiewende noch großes Verbesserungspotenzial. Neue Technologien sind notwendig, um das Stromnetz zu optimieren. 

Beispielsweise muss aufgrund der räumlichen Verteilung von Windkraftanlagen viel  Windstrom aus dem Norden in den Süden der Bundesrepublik transportiert werden. Zusätzlich sollte im Zuge der Energiewende das Stromnetz resistenter gegenüber Produktionsschwankungen werden, da die Energieversorgung aus  regenerativen Stromquellen bisher noch nicht die gleiche Kontinuität garantiert wie konventionelle Energieträger. Um dieser Hürde entgegenzuwirken, werden in Zukunft der Ausbau und die Weiterentwicklung von  Smart Grids notwendig sein. Diese können Schwankungen in Bedarf und Verfügbarkeit ideal koordinieren und sind somit zentraler Bestandteil der Energiewende. 

Jederzeit wird versucht zu garantieren, dass die Stromnetze in Deutschland stabil Strom transportieren können. Durch die Nutzung von Systemanalysen versuchen Netzbetreiber, sich auf schwierige Situationen vorzubereiten und die Stromerzeugung je nach Bedarf zu erhöhen oder zu drosseln. Dafür können Sie auf die Sicherheitsreserven zugreifen, denn die Netzsicherheit muss durchgehend gewährleistet sein. 

Versorgungssicherheit von Brennstoffen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Versorgungssicherheit ist die Verfügbarkeit von konventionellen Brennstoffen  für Strom produzierende Kraftwerke. Genauer gesagt, endliche Ressourcen wie Erdgas oder Stein- und Braunkohle. In Deutschland stammen diese überwiegend aus dem Ausland. Die heimische Förderung von Erdgas ist rückläufig und deckt nur noch einen geringen Teil des Bedarfs ab. Im Falle von Steinkohle war der heimische Abbau wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig und wurde im Jahr 2018 offiziell eingestellt, wodurch dieser Rohstoff nun vollständig importiert wird. Allein Braunkohle produziert Deutschland im Land, jedoch ist auch der gesetzlich festgelegte Kohleausstieg bis 2038 festgesetzt.

Mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit zu maximieren, ist es sinnvoll, die Lieferanten und Transportrouten zu diversifizieren. Eine breitere Aufteilung bietet Sicherheit, da im Falle einer Störung von einzelnen Lieferanten oder Routen nur ein Teil wegfällt und nicht direkt große Lieferungen. Außerdem wird durch eine vielfältige Versorgung der Wettbewerb gesteigert, was im Umkehrschluss den Preisdruck reduzieren kann. 

Durch die derzeitigen Veränderungstrends des deutschen Energiemixes zu erneuerbaren Energien, hängt die Versorgungssicherheit nicht nur von der Brennstoffverfügbarkeit ab, sondern von diversen Faktoren, wie Belastbarkeit des Netzes, Speicheroptionen und marktlichen Kapazitätsmechanismen.

Aktuelle Versorgungssicherheit

In Deutschland wird die Versorgungssicherheit staatlich überwacht und regelmäßig analysiert, um unter anderem Ziele wie die Energiewende, den Netzausbau und die Zukunftsplanung zu gewährleisten. Genauer wird diese Überwachung auf der Grundlage des Strommarktgesetzes vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klima und der Bundesnetzagentur durchgeführt, um Risiken zu minimieren und so die Sicherheit der Stromversorgung zu garantieren. Mindestens alle zwei Jahre wird ein sogenannter “Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit im Bereich Elektrizität" erstellt. Dieser Bericht basiert auf einem ausführlichen Gutachten, welches den Strommarkt sowie unerwartete Szenarien untersucht und diese in den Kontext der langfristigen Sicherheit setzt. Der Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit 2025 analysiert, wie eine sichere Stromversorgung bis 2035 gewährleistet werden kann, insbesondere im Hinblick auf das Klimaschutzziel für 2045. Die Versorgung sei gesichert, sofern die energiepolitischen Ziele erreicht werden und der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Schaffung neuer bedarfsgerechter Kapazitäten erfolgen. Weitere wichtige Punkte sind der notwendige Netzausbau, eine erhöhte Flexibilität durch Speicherung und Lastausgleich sowie die Schaffung von Marktanreizen zur Steigerung der Flexibilität. 

Versorgungssicherheit bedeutet also auch Zukunftsplanung. Mit steigendem Stromverbrauch muss eine gleichbleibende Stabilität der Erzeugung und des Netzes garantiert werden. Wenn man zusätzlich den endgültigen Kohleausstieg und die Energiewende in Betracht zieht, ist Planung ebenso relevant. Jedoch muss dabei erwähnt werden, dass Deutschland nicht auf sich alleine gestellt ist. Internationaler Handel und Allianzen in Europa stärken die grundlegende Sicherheit.